Ou Jodelfest
Verantwortliche für die inhaltliche Planung des OU Jodelfestes 2019
Markus Prieth//Evelyn Fink Mennel//Claudia Zwischenbrugger//Herbert Krienzer//
Norbert Zandt

2016 OU Jodelfest Goldrain (I)
Teilnehmer*innen: 96

Veranstalter: Bildungshaus Schloss Goldrain

Jodelbegleiter*innen
Heidi Clementi
Claudia Zwischenbrugger
Willi Mayer
Patricia Bustos
Markus Prieth
Herbert Krienzer
Nikola Laube
Clara Sattler

Wanderfüherinnen:
Gerlinde Aukenthaler
Nikola Laube

Jodelbüro:

Martina Müllner
Norbert Zandt

Anzahl der erlernten Jodler: 80


 

Bugl Jodler - Willi Mayer
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Jodle und Zaure
mit Bruno Inauen

Bruno Inauen ist ein begeisterter Jodler, stark verbunden mit der Appenzeller Tradition. Er leitet als Dirigent den bekannten Jodelclub „Alpeblueme Herisau“ und ist traditionell als Silvesterchlaus unterwegs. Im Jodel-Riesenrad lernen die Teilnehmenden in kürzester Zeit ein Appenzeller Zäuerli und das Talerschwingen als Begleitung. Das Herz öffnet sich beim Erklingen der uralten Melodien, man spürt die berührende Melancholie der Zäuerli / Rugguusseli am eigenen Leib. Ein Erlebnis, welches man nicht mehr vergisst.

 

Naturjodel unterscheiden sich generell von Region zu Region, oft gar von Dorf zu Dorf und sind beeinflusst vom Dialekt. Dies wirkt sich auf die Vokalisation und die Klanggebung aus. Die Benennung der Naturjodel ist dabei regional unterschiedlich.

 

Genauso verhält es sich auch mit den Naturjodel in der Region rund um den Alpstein. Sie sind zwar miteinander verwandt, unterscheiden sich jedoch durch bestimmte Merkmale voneinander. Sie werden hauptsächlich vokal, aber gerne auch instrumental dargeboten. Im Kanton Appenzell Innerrhoden bezeichnet man den Naturjodel als “Rugguusseli”. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden nennt man den Naturjodel “Zäuerli”. Dieses Wort stammt vom Altgermanischen Wort “Zaur”, welches “Ruf” oder “Schrei” bedeutet. Die Charakteristik ist ähnlich wie jene der Rugguusseli, also ruhig und eher melancholisch.

Im Ausserrhodischen kennt man zudem das Chlausezäuerli. Dieses weist zuweilen tänzerischen Charakter auf und wird von Chlauseschuppel am Neuen und Alten Silvester (31. Dezember/ 13. Januar) gesungen.

 

Im Toggenburg, welches zum Kanton St. Gallen gehört, spricht man in der Tätigkeit des Jodelns von “johle”. Die Naturjodel im Toggenburg haben oft einen Tonumfang von bis zu zwei Oktaven und werden gerne höher angestimmt als jene im Appenzellischen. Auch ist die Stimmgebung eher eine rufende. Die einzelnen Teile können von ruhigem bis hin zu tänzigem Charakter sein.

 

Alle drei Regionen haben gemein, dass man den Naturjodel auch mit Senntumschellen oder Talerbecken begleitet. In der Gruppe gesungen, wird ein Naturjodel meist vom Vorsänger*in begonnen, nacheinander setzen die zweite Stimme und dann die weiteren Begleitstimmen ein.

 

Wiener Dudler
mit Agnes Palmisano

Agnes Palmisano ist eine international gefragte Sängerin und Gesangspädagogin. Sie ist aber auch, und vor allem: die führende Expertin des Wiener Dudlers, einer Mischform aus Jodler und Koloraturgesang, so zusagen: Jodeln auf Wienerisch. Dieser besondere Gesangsstil war im Wien des 19. Jahrhunderts sehr populär, starb dann beinahe aus, und ist seit 2011 immaterielles Kulturerbe der Unesco. Sie singt ihn traditionell, wie aus der mündlichen Überlieferung von alten Volkssängerinnen erlernt, ebenso wie in aktuellen Neukompositionen, beim Heurigen wie in Konzerthäusern.

 

Seit wann in Wien gedudelt wurde, lässt sich nicht sagen. Johann Gabriel Seidl, der Dichter der österreichischen Kaiserhymne, hat es jedenfalls 1837 so beschrieben:

 

„Dudeln heißt, eine mit großen Intervallen wechselnde Melodie so zu singen, daß, mit Ausnahme der Mittelstimme, nur immer Brust- und Kopfstimme gehört werden. An die Stelle des Textes treten Silben, die an sich keinen Sinn ergeben, nur Mittel zum Zweck des Singens sind, ähnlich den Solmisationssilben. Wie beim Jodler wird hoch angestimmt (...). Während der Jodler meist im Freien gesungen wird und keine räumlichen Grenzen zu kennen scheint, ertönt der Dudler fast ausnahmslos in beschränkteren oder geschlossenen Räumen, im Zimmer, beim Heurigen, vielleicht im Obstgarten, daher klingt er gemäßigter, wird mit fast geschlossenem Munde angestimmt. Auch wird der Jodler rein vokal gesungen, der Dudler häufig mit Instrumenten zusammen, (...)
die Singmanier ist durch häufige Vorschläge gekennzeichnet.“

Traditionelle Wiener Dudler sind tief emotionale „Lieder ohne Worte“, die zum Teil aus den gleichen musikalischen Quellen schöpfen wie die so genannte „Schrammelmusik“ der Gebrüder Schrammel, deren Mutter eine Volkssängerin und Dudlerin war. Es gibt in Wien aber auch noch Dudler mit anderen Wurzeln:

 

JODLER MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

Lieder aus dem alpenländischen Raum, die nach Wien gelangt sind: über Handwerker (z.b. Handschuhmacher) über die Alpensänger, über Sommerfrischler (Wiener auf Urlaub), über Einwanderer aus dem Alpenraum, die ihre Musik mitbrachten. Allmählich haben sich diese Lieder an die „typisch Wienerischen Musiziertradition“ der Wiener Instrumentalisten angepasst. Später haben Komponisten dann auch „im alpenländischen Stil“ komponiert.

 

WIENER KOLORATURJODLER DER VORSTADTTHEATER

„Die Kunst des Dudelns war schon lange im Wiener Musikleben eine auffällige und allgemein bekannte musikalische Erscheinung, sonst wäre es nicht möglich gewesen, das Dudeln in die Possen und Parodien der Wiener Volksstücke aufzunehmen“ (Walter Deutsch in: Weaner Tanz Teil 1, COMPA, 2010, S. 75). Auf den Wiener Vorstadtbühnen wird (z.B. in Stücken von Johann Nestroy) von ausgebildeten Sängern und Sängerinnen gedudelt. Die Idee dahinter ist klar: Am Hofoperntheater pflegt man die Belcanto-Koloratur der Herrn Rossini, Donizetti, Herold etc., auf den Vorstadtbühnen parodiert man ebendiese Opern und singt auf „Wienerisch“.

 

Immer wird ein Dudler instrumental begleitet, er folgt der Musizier- und Harmoniserungspraxis der Wiener Musik. Er ist eine Mischform aus Volks- und Kunstmusik: ein bisschen „fein“, aber nicht zu sehr. Er wird ausserdem nicht einfach „gesungen“, er wird von Solisten „vorgetragen“ und möchte die Anerkennung seines Publikums. Denn Wiener Musiker sind in der Regel Berufsmusiker.

Wer wirklich wissen will, wie er klingt, wie er sich anfühlt und welch tiefe Emotionen in ihm mitschwingen, besucht am besten ein Konzert oder einen Workshop von Agnes Palmisano.

 

Obertöne singen, Naturtöne lauschen
mit Christian Zehnder

Vokalist, Stimmenkünstler, Jodler oder Obertonsänger? Alles mag auf ihn zutreffen und doch will sich der eigenwillige Schweizer Musiker, welcher schon mit dem unvergleichlichen Duo Stimmhorn die alpine Musik neu aufmischte und Kultstatus geniesst, in seiner Vielfalt nicht einordnen lassen. Christian Zehnders musikalische Welt schöpft aus den archaischen Verlautbarungen der menschlichen Stimme und ist ganz im Topos der alpinen Welt verankert. Aus dem Umfeld des (Musik-) Theaters und der zeitgenössischen Musik entwickelte der Stimmenkünstler fern ab von Traditionen eine ganz eigene Musik, die auch als imaginäre Utopie der Heimat verstanden werden kann. Als Solist, Komponist und Regisseur, oder als neuer künstlerischer Leiter der Klangwelt Toggenburg transformiert er Essentielles aus dem alpinen Schaffensraum in die verschiedensten Disziplinen und behauptet darin kompromisslos eine eigenständige künstlerische Vision: den new space mountain.

 

Der Obertongesang hat in den letzten Jahrzehnten viel an Popularität gewonnen. Einerseits profitierte er durch den Boom der Weltmusik der 90er Jahre, aber auch die in Mode gekommenen Reiseländer Zentralasiens wie die Mongolei, Tibet oder Tuva tragen dazu bei, dass das polyphone Singen sich immer mehr ins Bewusstsein unserer okzidentalen Kultur setzt. In den 60er Jahren wurde der Obertongesang, angeregt von Komponisten wie Karl Heinz Stockhausen oder La Monte Young, in Europa entdeckt und nach westlichen Vorstellungen entwickelt. So entstand eine Art eurasischer Stil, welcher sich von den asiatischen und anderen Obertongesangstechniken unterscheidet und im Gegensatz zur modalen Denkweise der Musik Asiens mehr unserer harmonisch ausgerichteten Musik- und Gesangskultur entspricht.

In diesem Kurs haben wir eine erste unbekümmerte Begegnung mit dem Obertongesang. Wir erforschen auf spielerische Weise die Stimme und erfahren deren faszinierenden Modulationsmöglichkeiten. Der Kurs bietet viel Praxis als Einführung in ein anderes Hören beim Singen. Er eignet sich sowohl für geübte Sänger als auch für Laien.

 
 

Juuzen
mit Bernhard Betschart

Im Muotatal wird eine Form des Naturjuuzes gepflegt, wie sie wohl nirgendwo sonst mehr anzutreffen ist. Dazu gehört sicher das ab und zu auftretende Alphorn-Fa, aber auch die neutrale Intonation der 3. und 7. Stufe, also der Terz und der Septime. Dies ergibt beim mehrstimmigen Singen ungewohnte, für unsere Ohren dissonant klingende Intervalle. Die wohltemperierte Stimmung - wie sie heute auf fast allen Instrumenten üblich ist - drängt die überlieferte Singweise aber mehr und mehr zurück.

Allgemein kann auch gesagt werden, dass beim «juuzen» oftmals und ganz bewusst nicht das «schöne» Singen, sondern Ausdruck und Individualität ins Zentrum gestellt werden. Alte Tondokumente belegen dies. Der Stil ist nicht geschliffen, die Töne sind mal erdig, mal wild. Auch deswegen klingen die Muotataler Jüüzli für das unvertraute Ohr zuerst einmal kantig, rau und mitunter überraschend anders. Der Hörer glaubt, den Ursprung des Juuzes in der freien Natur, beim Arbeiten auf Weide und Alp zu erkennen. Hört man länger zu, erschliesst sich eine Klangwelt ganz eigener Prägung, reich an anspruchsvollen Figuren. Es sind Klänge, die den stolzen und eigensinnigen Charakter der Menschen in diesem Tal erahnen lassen.

Bernhard ist mit dem Muotataler Naturjuuz aufgewachsen. Bereits als Fünfjähriger stand er mit seiner Familie auf den Bühnen und war im TV zu sehen. Zu Hause wurde auch im Alltag viel gejodelt. Und so trat Bernhard Betschart in den Naturjuuz

Dokumentarfilmen von Hugo Zemp (1983 bis 1984 sowie 2015) auf. Mit seiner musikalischen Vielseitigkeit ist er auch im

Folk, Rock und Country zu Hause. Bernhard gibt diese schöne Tradition mit viel Begeisterung an Workshops, Vorträgen und mit der Juuzer-Gruppe «Natur pur» weiter.